Warum ich kein Tier esse oder sind Vegetarier dumm?

"Auf ihre Blutwerte bin ich neidisch!"
Nach einer ziemlichen Reihe von Schritten, sitzt jetzt mein Arzt hinter seinem Schreibtisch und schaut sinnierend auf das Blatt vor ihm.
Begonnen hatte es als mein Vater starb, wie er starb, aber das war noch nicht genug.
Begonnen hatte es, als mein Arzt ebenso vor mir saß und mir noch zwei bis drei Jahre gab, bis auch ich meinen Herzinfarkt hätte.
Begonnen hat es in dem Moment für mich spürbar zu werden, als diese beiden Ereignisse sich verbanden. Seinen ersten Herzinfarkt hatte mein Vater ungefähr im selben Alter wie ich jetzt war, Mitte Dreißig.
Immer die Pflichten, zwangsdenken: "Es muss, es muss . . ."
Druck alles schaffen zu müssen und heute weiß ich es - die Lebendigkeit wollte auch sein . . .
Die Blutwerte seien katastrophal, so die Untermauerung der obengenannten Prognose von nur noch zwei oder drei Jahren . . .
Also fettarmes Fleisch, Geflügel, Fisch, schließlich: Muss ich wirklich Fleisch essen?
Würde ich das Tier jetzt töten, um dieses Fleisch zu essen?

Diese Frage stellte sich für mich, weil ich vom Land komme, in Kindertagen immer vorne stand, wenn das Schwein geschlachtet wurde. Töten habe ich so gelernt, aber würde ich es jetzt auch direkt tun?

Jetzt begann es wirklich in mir, der Prozess, zu begreifen was einerseits mit dem töten verbunden ist und meinem mich ernähren. Wie oft hatten wir Kinder Freundschaft geschlossen und dann war - der Hase, die Kuh, das Kalb - weg, einfach weg. Die Verbindung zum Braten dämmerte zwar, wurde aber nie wirklich klar.

Mein Vater, Kriegsgeneration, aß Fleisch, auch die fette Kante vom Kotelett, Fett half überleben, damals . . . Dann ist er genau daran gestorben.
Und nun stehe ich hier vor meinem Arzt, der mich besorgt anschaut, mir noch zwei bis drei Jahre bis zum Herzinfarkt geben will . . .

Die Ernährung ist nun seit Jahren gründlich anders geworden: Gemüse und Salate, vor allem selbst gezogene Keime. Das hat mich grundlegend gesünder werden lassen.
Inzwischen bin ich Mitte 50, hatte nie einen Herzinfarkt und bin auch sonst gesund. Muss was dran sein, an gesund essen durch vegetarische Kost. Meine Frau hat sich ebenfalls dieser Ernährungsweise angepasst und lecker zubereiten macht einfach Spaß.
Wenn ich jetzt zurück denke, ca. 20 Jahre vegetarisch leben, dann werden mir noch ganz andere Zusammenhänge bewusst:
Warum ist Fleisch essen so ungesund? Einmal weil der Mensch an sich es nicht braucht, andererseits, weil es der Menschheit an sich schadet. Ich bin immer noch beim Menschen, aber über die Art wie mein Vater starb, ist mir sehr nah, wie die Qual des Tieres in der Summe auf den Menschen zurückfällt.

Die Gesamtschau auf die Problematik ist dann aber noch viel schlimmer. Wie grausam die Tierhaltung geworden ist, wie schlimm die Verhältnisse für die Tiere geworden sind, löst blankes Entsetzen aus, wenn man sich damit befasst.
Nur ein Beispiel: Wenn die USA sämtliche Kleinparzellen zusammenlegt, aufgekauft von Agrarfondsgeselllschaften, den dreifachen Ertrag aus der Erde presst, also eine Kapitalanlage daraus gemacht hat, nun als Problem fallende Weltmarkt-Getreidepreise vermeidet, indem sie dieses Getreide an Tiere verfüttert, also vom Getreidemarkt fernhält . . . Das so in Massen erzeugte Fleisch mit vielen Subventionen und globalem Erfolg an den Industrienations-Menschen verfüttert . . .
Jean Ziegler brachte es auf den Punkt: "Hinter jedem verhungernden Kind steht ein Mörder!"

Daher mag ich Dich einladen Dich zu befassen, aber langsam. Hier habe ich ein paar Links zusammengestellt, Filme, welche ich für informativ - aber nicht reisserisch halte - einfach zur Information. Spür mal hin, wie es sich anfühlt.

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...von Nina Messinger bringt es auch auf den Punkt.
Als ich den Artikel über die Schlachthäuser las, saß ich am Balkon und musste in die Wohnung gehen, weil es plötzlich nach Grillfleisch roch und mir dabei übel wurde.

Ich glaube wirklich, dass die fleischlose, bzw. die vegane Ernährung, die Ernährung der Zukunft sein wird. Eine Bewusstseinserweiterung geht auf Dauer nur mit einer friedlichen Ernährung, ohne andere Lebewesen zu töten oder/und zu quälen.

Irene

Danke, liebe Irene, schließe mich Dir an.
Ich möchte jedoch noch weiter gehen und sage:
eine Bewusstseinserweiterung - hin zur "bedingungslosen Liebe", die angestrebt wird - IST überhaupt nur möglich und erst WAHRHAFTIG, wenn Tiere ausnahmslos dazu gehören.

Birgit