Wir sind spirituelle Wesen, die erfahren Mensch zu sein

Wir sind keine Menschen, die eine spirituelle Erfahrung machen, sondern spirituelle Wesen, die erfahren, Mensch zu sein. 

Dieses „Menschsein“ mit „innerer Einkehr“ als wichtigem Bestandteil lässt sich jedoch nicht reduzieren auf das „Privatleben“. Als soziale Wesen hat unser gesamtes Wirken auch Einfluss auf die Gemeinschaft und ist damit politisch. So wie wir als Kinder das Be-greifen lernen, ist es von Bedeutung, als Erwachsene den Weg zurück zur unserem spirituellen Sein zu finden.

Wir leben heute in einer entwurzelten, oberflächlichen Gesellschaftsstruktur. Die Menschheit benimmt sich leider noch mehrheitlich wie ein saugendes Riesenbaby auf unserer Mutter Erde, konsumierend ohne bewusst darüber zu sein, dass wir alles, was auf der Erde mit uns passiert, selbst erschaffen haben.

Im Laufe der Menschheitsgeschichte hat es allerdings zu allen Zeiten Menschen gegeben, unter ihnen namhafte Persönlichkeiten, die aus dem kollektiven Dämmerschlaf erwachten, um ihren spirituellen Weg zu gehen. Die nachfolgenden Zitate von George Bernhard Shaw, Charlie Chaplin und aus dem Talmud zeugen davon (...) Nicht nur Religionen haben sich immer damit beschäftigt, sondern auch Personen aus allen gesellschaftlichen Bereichen. Ich bin immer wieder fasziniert von den wohlformulierten Sätzen, die die Botschaft im Kern treffen.

Spiritualität ist somit nichts Neues und kein Okkultismus, nur weil sie nach seitherigen wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht nachweisbar war. Das Bewusstsein ist neben Raum, Zeit, Materie und Energie ein weiteres Grundelement der Welt, sagen mittlerweile einige Forscher, die sich mit Quantenphysik beschäftigen. Sie weisen damit einen Weg von der Wissenschaft zur Religion. 

Dabei kommen sie zu dem revolutionären Schluss, dass es eine physikalisch beschreibbare Seele gibt. Das Fundament für die atemberaubende These liefert das quantenphysikalische Phänomen der Verschränkung, auf das ich hier nicht näher eingehe, weil es den Rahmen des Buches sprengen würde. 

Bereits Albert Einstein ist auf diesen seltsamen Effekt gestoßen, hat ihn aber als „spukhafte Fernwirkung“ später zu den Akten gelegt. Erst in jüngerer Zeit hat unter anderen der Wiener Quantenphysiker Professor Anton Zeilinger den experimentellen Nachweis dafür geliefert, dass dieser Effekt in der Realität tatsächlich existiert.

Und auch einer der renommiertesten Quantenphysiker der Gegenwart, Professor Hans-Peter Dürr, ehemaliger Leiter des Max-Planck-Instituts für Physik in München, vertritt heute die Auffassung, dass der Dualismus kleinster Teilchen nicht auf die subatomare Welt beschränkt, sondern vielmehr allgegenwärtig ist. Der Dualismus zwischen Körper und Seele ist für ihn ebenso real wie der Welle-Korpuskel-Dualismus kleinster Teilchen, also die Tatsache, dass Licht beide scheinbar gegensätzlichen Formen annehmen kann: elektromagnetische Welle und „handfestes Teilchen“. Seiner Auffassung nach existiert auch ein universeller Quantencode, in den die gesamte lebende und tote Materie eingebunden ist. Dieser Quantencode soll sich seit dem Urknall über den gesamten Kosmos erstrecken. 

Konsequenterweise glaubt Dürr an eine Existenz nach dem Tode. „Was wir Diesseits nennen, ist im Grunde die Schlacke, die Materie, also das, was greifbar ist. Das Jenseits ist alles Übrige, die umfassende Wirklichkeit, das viel Größere“, zeigt er sich überzeugt. Insofern sei unser gegenwärtiges Leben bereits vom Jenseits umfangen.

(Quellen: http://www.welt.de/wissenschaft/article1938328/Die_Seele_existiert_auch_..., http://www.weltderphysik.de/de/7189.php, http://de.wikipedia.org/wiki/Quantenverschr%C3%A4nkung )

Unser Gefühl des Getrenntseins, das wir als Menschen auf der Erde erfahren, ist gleichzeitig Segen und Fluch. Einerseits befähigt es uns, uns als Individuen wahrzunehmen sowie Bewusstsein zu entwickeln und erfahren. Andererseits zeigt sich dadurch immer wieder unsere (scheinbare) Begrenzung und Abtrennung. 

Spirituelle Entwicklung bedeutet, zu den Wurzeln zurück zu finden, nämlich die Rückverbindung zu unserem Ursprung. Sie ist Integration und Verbindung des Seelischen mit der Physis und unterstützt das Begreifen von Zusammenhängen, wodurch sie auch zur Sinnfindung verhilft. 

Je mehr unbewusste Inhalte dem Bewusstsein zugänglich werden, desto mehr erlebt man eine Bewusstseinserweiterung, die ein intensiveres Erleben und Verbundenheitsgefühl bewirkt. Die Beschäftigung mit dem Unbewussten ist vergleichbar mit „Licht ins Dunkel“ bringen. Da unser persönlicher unbewusster Bereich in Verbindung mit dem kollektiven Unbewussten steht, bekommen wir Zugang zu "überpersönlichen" Inhalten und die Grenzenlosigkeit zu spüren, also die Auflösung der Ego-Gebundenheit. 

Spirituelle Entwicklung trägt deshalb dazu bei, uns zurückzuerinnern, was wir wirklich sind. Dieser Prozess, "Leben" genannt, erfordert Mut und Courage zur Veränderung. Diese Fähigkeit bzw. die Übung hierzu bezeichne ich in diesem Buch auch als „Loslassen“. "Ja" zum Leben zu sagen ist letztendlich der Weg hinaus aus dem Ego hin zur Liebe. Es ist ein Weg, den jeder selbst gehen muss und gleichzeitig dient dieser individuelle Weg der kollektiven (politischen) Entwicklung von uns allen und zum "höheren Selbst", dem Göttlichen.

Martin Exner (aus seinem Buch:"Ausgeklinkt - Volksvertreter ohne Volk")